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Afrikanische Geschichten




Der glückliche Mensch und der Esel

Drei Autostunden südlich von Dakar, der Hauptstadt des Sénégal, kommt man in das Sine-Saloum-Gebiet. Da ist es ländlich, die Küste ist sehr stark eingeschnitten und in den brackigen Meeresarmen gedeihen die Mangroven, die ja auch im Salzwasser zurechtkommen. An diesen Mangroven wachsen die Austern, die ausgezeichnet schmecken und an keiner Chemie leiden. Also: Beim Baden dort immer ein Taschenmesser mitnehmen, dann gibt es am Strand gleich ein Austernessen - den Wein kann man sich ja autosuggestiv besorgen. Unsere Freunde in Sokone, einem Ort im Sine Saloum, arbeiteten in einem Projekt für Cashewnüsse und kannten sich in der Gegend ausgezeichnet aus.

Dort also habe ich den glücklichen Menschen kennen gelernt. Die Gegend ist dann sehr fruchtbar, wenn sich die Bauern die Mühe machen, das Wasser an die sandigen Böden heranzuschaffen - sonst wächst da leider nix. Kluge Experten aus Europa hatten das einmal ganz toll gelöst: Man lässt einen Esel in einem horizontalen Göpel das Wasser aus einem Brunnen pumpen. Intelligent angelegte Bewässerungskanäle führen auf die Felder und schon kann man wunderbar Gemüse anbauen, das in der hungrigen Großstadt Dakar gutes Geld einbringt. Zum Beispiel essen die Sénégalesen gern ihr Ratatouille:

Die klugen Experten waren schon seit Jahren verschwunden, aber es hieß, ein Sénégalese habe diese Anlage übernommen, und da wollten wir hin. Das Land ist dort sehr flach und wir sahen schon von weitem, dass da etwas los war. Auf vielleicht einem Hektar wurden Tomaten, Auberginen, Paprika, Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie, Rauke, Gurken, Weißkraut und manches andere angebaut. In dem Göpel lief ein Grautier und war es wohl ganz zufrieden. Einige Gärtner waren beim Ernten, das Gemüse wurde in Säcken versandfertig gemacht. Dann sahen wir den Chef und Eigentümer und den Anblick werde ich nie vergessen:

Im Schatten unter einem großen Affenbrotbaum stand ein eisernes Himmelbett mit einer Schaumgummimatratze und darauf lag er, den Kopf auf einem hohen Kissen, damit er seine Arbeiter und seinen Esel beobachten konnte. Neben ihm stand ein kleiner Teekessel auf einem Kohlebecken und mit einem sechsarmigen Gläserhalter. Zwei Damen kümmerten sich um den glücklichen Mahamadou: Eine hielt die Teezeremonie in Gang und die andere massierte ihm hingebungsvoll Schultern und Rücken. Da störten wir etwas, aber waren dann doch gleich willkommen. Er ließ es sich nicht nehmen, uns mit auf sein Bett zu komplimentieren und seinen Tee mit uns zu teilen. Viel gesprochen haben wir nicht, aber hatten den glücklichen Menschen kennen gelernt.


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