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Afrikanische Geschichten




Der Regenmacher aus dem Akwa Ibom State im Nigerdelta

In Nigeria gibt es noch viel Woodoo-Zauber und da ist wirklich etwas dran und zwar für den, der sich davon beeinflussen lässt. Es war ein großer Kontrast, einerseits in einer hochmodernen Aluminiumschmelze zu arbeiten und in klimatisierten und gut eingerichteten Häusern zu wohnen und andererseits in einem Landstrich zu leben, wo man Hund isst und die Leute, oft neben dem Christentum, intensiv an Geister glauben und ihre Entscheidungen vom Voodoopriester oder vom Regenmacher unterstützen lassen. Neben den staatlichen Einrichtungen gibt es ein lokales System, in dem man Könige, Dorfchefs und Priester der verschiedensten Art finden kann.

Selbst als Weißnase kann es einem schon mal passieren, dass man einen schönen Titel verliehen bekommt. Da ist oft der Hintergedanke, dass der Ernannte natürlich erheblich einen ausgeben muss. Unser Kollege Bernd wurde also zum Obong ernannt, das ist so ein mittlerer Chef und für einen Europäer schon ganz schön ehrenhaft. Da musste er ein großes Fest unter Bäumen ausrichten, es kamen sicher an die 100 Leute und das war dann ganz feierlich, als er sein knallbuntes Gewand, seine Mütze und, am wichtigsten, seinen Häuptlingsstock mit geschnitzter Krücke und goldfarbenem Schaft vom örtlichen König mit vielen Sprüchen und Gesten verliehen bekam. Später stellten wir fest, dass in dem Stock sogar ein kleiner Schirm und ein Messer integriert waren. Nach der Zeremonie gab es zu essen, eines der Gerichte stelle ich hier vor:

Suya / afrikanisches Schnellgericht

Das sind Fleischspieße, die ihren westafrikanischen Geschmack durch die spezielle Sauce bekommen. Es ist ein Gericht, das es in Nigeria an jeder Straßenecke zu kaufen gibt und zwar immer da, wo am meisten los ist. Einen Pappdeckel gibt es selten, der Spieß wird vom Grill weg aus der Hand gegessen. Das Fleisch ist meist Rind, aber auch Huhn oder Kalb kommen vor.

Zutaten:

3 Esslöffel geröstete Erdnüsse
1 Teelöffel Cayennepfeffer
1 Teelöffel Chilipulver oder -flocken
1 Teelöffel Paprika scharf
1 Teelöffel Salz
Ingwer zerkleinert oder als Pulver
Knoblauch gepresst
Zwiebeln sehr fein geschnitten
1/2 Kilo in Gulaschstücke zerkleinertes Rind (oder Huhn oder Kalb)

Zubereitung

Die Erdnüsse abschälen und sorgfältig zerkleinern, das geht mit dem Mörser oder der Küchenmaschine. Es sollte zu Pulver und nicht zu Brei werden. Wenn Öl austritt, dies mit Küchenpapier absaugen. Gewürze darunter mischen -- jetzt wird die Schärfe durch die Menge an Cayennepfeffer und Chili bestimmt. Die Masse in zwei Schüsseln gleich aufteilen. Das Fleisch in die eine Schüssel legen und mit dem Pulver einreiben und damit bedecken. Es sollte darin mindestens zwei Stunden ruhen. Dann die Fleischstücke abklopfen und das restliche Pulver wegtun. Nun die Spieße (in Nigeria aus Holz) abwechselnd mit dem Fleisch, den Zwiebeln, den Tomaten und den Paprikas bestecken.

Inzwischen wurde der Grill angeworfen, die Spieße werden in ca. 10-15 min. gar gegrillt. Das geht eventuell auch im Backofen. Die Spieße zum Essen in das Pulver tunken. In Nigeria gibt es dazu weiter nix, wir könnten Baguette und einen netten Salat anbieten.

Bei unserem Fest kamen dazu reichlich Bier, ein leider warmer nigerianischer Gin und ein anderer lokaler Sprit mit dem Namen "Schnapps for the Captain" auf die Tische. Es wurde getanzt und die Stimmung wurde immer besser. Dann aber zogen Wolken auf und das Fest drohte, ins Wasser zu fallen. Mit meinem einheimischen Sitznachbarn sprach ich darüber, doch der sagte nur: "Das verzieht sich wieder, wir haben ja extra den Regenmacher engagiert!". Ich wunderte mich, aber er setzte hinzu: "Der kann nämlich nicht nur Regen machen, sondern ihn ebenso gut verhindern, wenn das benötigt wird". Und jetzt sah man wahrhaftig eine Gestalt auftauchen mit einer Maske aus Stroh, Metall und Stoff, bewaffnet mit einem riesigen Wedel aus Vogelfedern und Schlangenhäuten. Mit großer Energie und auch erfolgreich vertrieb er die Wolken und das Fest nahm weiter seinen Lauf.

Doch die Wolken kamen wieder und diesmal war wohl die Kraft des Regenmachers erschöpft: Der Himmel öffnete seine Schleusen und es goss auf die Feiernden. Der Regenmacher hatte gedacht, er könne sich nun heimlich davon machen, aber das wurde sofort bemerkt und ein Großteil der männlichen Gäste mit ein paar Frauen dabei stellten ihm nach und begannen, ihn fürchterlich zu verprügeln. Kein schönes Ende eines Fests, das so schön begonnen hatte. Gut, dass unser Kollege Bernie eine laute Stimme hatte. Diese erhob er und schrie: "Wenn ihr den Regenmacher nicht sofort los lasst, dann werfe ich meine Obong-Stock und meine ganze Ausrüstung ins Feuer und verzichte auf den Titel. Ich will keine Gewalt auf meinem Fest." Dies saß und man ließ den Regenmacher laufen - der hatte auch bereits genug abbekommen und wird sein Versagen wohl nie vergessen. Nass und verschlagen zog er ab. Dann hörte auch der Regen auf, die Gemüter beruhigten sich wieder und es wurde getanzt und getrunken bis zum Morgengrauen. Also war es doch ein schönes Fest.


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