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Afrikanische Geschichten




Der Eierberg

In Zaire, das heute wieder Kongo heißt, wohnten wir etwa 200 km von der Hauptstadt Kinshasa entfernt am Ufer des Kongo und gerade dort, wo sich dieser zum Malebo-See ausweitet. Das ist ein wundervolles Stück Landschaft. Damals gab es noch viel Schiffsverkehr, die Produkte aus dem Landesinneren wurden stromab nach Kinshasa gebracht und dies im Austausch mit Produkten aus der Hauptstadt und dem Hafen Matadi für die Menschen im Landesinneren. Da konnte man interessante Schiffsverbände sehen, voll gepfropft mit den Erzeugnissen der Landwirtschaft, des Fischfangs und der Jagd. Geräucherte Affen mit ihren so menschlichen Händen gab es neben Krokodilen, die an allen Gliedern einschließlich der riesigen Schnauze gefesselt waren und zum Überleben immer mal wieder mit einem Eimer Wasser übergossen wurden.

Nachts konnte man die Lichter von Kinshasa erkennen und, durch den Fluss getrennt, auch die der kleineren Hauptstadt vom anderen Kongo, die heißt Brazzaville.
Wir lasen dort das Buch von H.M. Stanley über seine Reise auf und am Kongo. Bei der Lektüre konnte man sich mit dem Blick auf den majestätischen Fluss gut vorstellen, wie Stanley einst dort vorbeigekommen ist und so manches Abenteuer zu bestehen hatte, da er vielen begegnete, die sich vor allem für den Nahrungswert der fremden Reisenden interessierten und diese mit Rufen: "Das Fleisch kommt" begrüßten.

Das war also ein Leben auf dem Lande im winzigen Ort Mangengenge, dazu gehörte ein Garten mit einem Hühnerhof, der neben den Hühnern auch Perlhühner und Enten beherbergte. Für die Nacht und zum Eierlegen hatte das Federvieh ein Haus auf Stelzen, das sie über die bekannte Hühnerleiter erreichten. Das hilft gegen die Schlangen, die sich gern als Eierdiebe hervortun und auch schon mal ein Huhn erlegen. Gefüttert wurde mit Küchenabfällen von Obst und Gemüse, auch ein welkes Bananenblatt oder sogar Styropor wurden nicht verschmäht. Das Füttern mit Papaya aber wird mit dem schönsten Eigelb von fast orangener Farbe belohnt.

Die beliebteste Eierspeise war:

Omelette mit kongolesischen Waldpilzen à la Kumbaku (unser Koch)

Zutaten (drei Personen)

6 frische Eier mit supergelbem Dotter (siehe oben)
zwei Hände voll kongolesische Waldpilze "Mayebo"
Petersilie und Schnittlauch aus dem Garten
Salz
Pfeffer aus der Mühle
1 El Butter

Die Pilze mit einem Küchentuch abreiben, mundgerecht zerkleinern und in der Hälfte der Butter anbraten, Hitze reduzieren und ca. 10 Min. weiterbraten. Während dessen die Eier einzeln aufschlagen, in einer Tasse auf guten Geruch prüfen und mit einer Gabel mit dem Salz und dem Pfeffer in einer Schüssel aufschlagen; da können gerne ein paar weiße Streifen bleiben. Den Rest Butter hinzufügen und die Pfanne wieder hoch erhitzen. Die Eier hineingeben und stocken lassen, Hitze wieder reduzieren. Zerkleinerte Petersilie und Schnittlauch darüber streuen und das Omelette sogleich servieren, dazu gehört Brot und vielleicht ein netter Salat. Trinken würde ich erst hinterher etwas.

Urlaub darf auch einmal sein, damals waren es großzügig zweimal ein Monat im Jahr. Da heißt es, den ganzen Haushalt einschließlich der Haus- und Hoftiere an Koch, Gärtner und Wächter zu übergeben und wir sparten nicht mit Anweisungen und teilten das Geld genau ein zur Speisung des Personals und eben auch der Viecher.

Wieder zurück, da freuten wir uns über die Girlanden aus bunten Blumen an Tür und Tor. So wird der im Kongo begrüßt, der seine Leute anständig behandelt und nicht zu viel verlangt. Hinein ins Haus, da blitzte und blinkte alles. Dann ging ich an den Kühlschrank, um die mitgebrachten Fleisch- und Wurstwaren unterzubringen. Was stinkt da so widerlich nach Schwefel? Kein Zentimeter Platz ist dort, alles ist voller Eier, aber die meisten schon kräftig verfault. Das war nun wirklich Treue unseres Kumbaku und er hatte es ohne Anweisung nicht gewagt, die Eier selbst zu verwenden und alle brav die vier Wochen lang aufgehoben.


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