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Afrikanische Geschichten




Zum Tee bei Fatouma und Mohamed

Das Haus in Niamey / Niger, in dem wir wohnten, war sehr weitläufig, wie man es oft in Afrika findet. Drum herum wachte ein eindrucksvoller Tuareg, immer chic angezogen mit Turban und Boubou, dazu einem kleinen Schwert am Gürtel. Nie hat uns Mohammed angepumpt. Seine Frau wohnte auch mit bei uns, sie war so etwa einen Kopf größer und doppelt so breit wie er. Aber das war meist nicht zu sehen, da sie sich wenig bewegte und eigentlich nur immer am Boden in ihrem weiten Gewand thronte und vielleicht einen Hirsebrei kochte. Zum Umrühren musste Mohamed kommen, später wurde dann ein kleiner Junge eingestellt, um diesen Dienst zu verrichten. Der war mit ein paar Münzen und seinem Essen zufrieden. Die Frauen der Tuareg sind die Hüter der Schrift und der Liebeslyrik, also haben sie Besseres zu tun.
So war das also alles friedlich, die Schwarzafrikaner haben großen Respekt vor diesen Tuareg, den Bewohnern der Sahara mit ihrer unklaren Herkunft. Daher ist uns und unseren Sachen nie auch nur das Geringste passiert.
Ins Schwimmbad sind wir nachts auch schon mal nackt gesprungen, aber unser Wächter war so diskret, dass er dann niemals seinen allfälligen Rundgang gemacht hätte.
Der Garten war im trockenen Sahel nicht leicht in gutem Zustand zu halten. Wasser ist dort teuer, aber das muss mal sein, also wurde genügend gegossen. Auch für unseren Urlaub hatten wir Mohamad reichliches Gießen eingeschärft. Doch, als wir nach vier Wochen wieder kamen, war die Enttäuschung groß: Alles vertrocknet, dabei verzieht der Gärtner aber keine Miene: Noch beim Schimpfen unterbreche ich mich selbst und muss mir den eigenen Fehler eingestehen: Wie kann ich denn einen Wüstenbewohner zum Blumen gießen einteilen, ist er doch von klein auf den sparsamsten Umgang mit Wasser gewohnt!

So, nun lassen wir uns mal von Mohamed und Fatouma zum Tee einladen. Da wird ein winziges Kohlebecken entzündet und in einer kleinen roten Emailkanne das Wasser erhitzt. Wenn dieses kocht, dann kommt der Tee (meist Gunpowder aus China) mit einer guten Prise wildem Pfefferminz in die Kanne, es kommt reichlich Zucker hinzu und alles wird rasch in die in einem Halter bereitstehenden Gläser in hohem Bogen umgefüllt.

Dies ist der erste Aufguss, heiß und süß wie die erste Liebe.

Der zweite Aufguss
wird mit dem selbenTee zubereitet, deshalb kommt mehr Zucker hinein, es wird serviert, nun aber bitter-süß wie eine verlorene und eine neu gefundene Liebe.

Die Unterhaltung, unterbrochen vom genüsslichen Schlürfen, ist weiterhin lebhaft. Währenddessen wird der dritte Aufguss bereitet. Es ist der Rausschmeißer, denn danach ist Schluss. Viel Tannin ist drin, also muss noch mehr Zucker dazu. Eher bitter ist dieses Gebräu
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also keine Liebe mehr? Weit gefehlt, wir gehen jetzt nach Hause nach dem dritten Glas, kommen aber bestimmt wieder nach dieser neuen menschlichen Erfahrung. Die Liebe wird uns immer bleiben wie auch der Tod, die Tuaregs denken darüber nach und wir sollten es ebenso tun.


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