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Afrikanische Geschichten




Scharfe Pfeffersuppe (aus dem Nigerdelta in Nigeria)

Diese Suppe kenne ich aus Nigeria, wo sie sehr populär ist und in jedem noch so kleinen Restaurant auf der Karte steht. Durch ihre Schärfe weckt sie die Lebensgeister und regt den Appetit an.

Wie bei vielen afrikanischen Gerichten sind die Zutaten nicht genau festgelegt, hier ist es vor allem das Fleisch, das variabel ist. In der Regel wird gern Ziege verwendet, aber es klappt auch mit Lamm, Hammel oder Rind. Selbst mit Huhn habe ich sie schon gegessen. Wer will, kann diese Suppe sogar vegetarisch (z.B. Kartoffeln oder Weißkohl statt Fleisch) zubereiten und sie wird dem Original immer noch etwas ähnlich sein.

Zutaten (für sechs Personen als reichliche Vorsuppe)

1 kg Ziegenfleisch (oder anderes Fleisch, siehe oben)
2 große Zwiebeln
3 scharfe Chili-Schoten
Die Chilies muss man probieren, die Schärfe ist sehr unterschiedlich, in Afrika sind die runden meist schärfer als die länglichen. Diese Suppe braucht es schon sehr scharf!
Suppengewürze:
Anis
Koriander
Nelken
Kreuzkümmel
Ingwer getrocknet oder frisch
Fenchel
Tamarindensamen (kann durch einen dash Worcestersauce ersetzt werden)
Piment
3/4 Liter Fleischbrühe (zur Not auch Instant)
2 Tl getrocknete und gemahlene Garnelen oder Krabben (komplett mit Panzer)
1 kleines Bund frische Minze
1 Chicoree-Strunk
Hier geht es um eine bittere Komponente, da gibt es in Nigeria die 'bitterleaves', aber das bekommt man in Europa sicher nicht
Salz
Schwarzer Pfeffer ganz
Eventuell mit Flüssigwürze am Tisch abschmecken, hängt von der Qualität der Brühe ab

Zubereitung

Da nehme ich einen großen und schweren Topf aus Gusseisen. Ich kann aber auch meinen Schnellkochtopf verwenden, entsprechend kürzer wird die Kochzeit, ich muss dann einmal zwischendurch den Topf öffnen, das ist etwas umständlich.
Das in suppengerechte Stücke zerlegte Fleisch (zuviel Fett wegschneiden) kommt mit den grob zerkleinerten Zwiebeln, den klein geschnittenen Chili-Schoten (Kerne mit verwenden macht es schärfer) und einem 1/4 Liter Wasser (Fleisch muss nicht ganz bedeckt sein) in meinen Topf und alles sollte nach dem Aufkochen gut 1/2 Stunde vor sich hin köcheln. Jetzt einmal kurz umrühren.
Jetzt kommen die Suppengewürze (gut vermischt) und die Brühe hinzu, das ganze braucht noch einmal 1/2 Stunde oder länger auf kleinem Feuer, bis das manchmal zähe Fleisch weich geworden ist. Umrühren.
Nun das Krabbenpulver, die fein gewiegte Minze, den Chicoree-Strunk, Salz und Pfeffer (grob gemörsert) hinzufügen und nochmals kurz aufkochen.
Meist wird die Suppe aufgegessen, Reste lassen sich im Kühlschrank bis zu drei Tagen aufheben (möglichst täglich einmal aufkochen und abgekühlt zurückstellen). Auch als Mitternachtssuppe gut geeignet, sie kann aber bei zart besaiteten Gästen durch die Schärfe als Rausschmeißer wirken. Das kann ja durchaus mal erwünscht sein. In Nigeria hatten wir mal Gäste, die beim Hereinkommen schon sagten: 'Ihr werdet es noch bedauern, dass ihr uns eingeladen habt'. Na, so schlimm war's dann doch nicht.

Im Nigerdelta wohnten wir auf einer Großbaustelle dicht am Wasser. Da gibt es dann Deutsche Waren in einem kleinen Supermarkt zu kaufen, es gibt ein Restaurant mit einer riesigen Bar und noch einen kleinen Laden, der gleichzeitig Metzgerei und Bäckerei ist. Es war wie immer mit dem Kollegen, der dies betrieb: Die Bäcker sagten, er ist ein guter Metzger, die Metzger, er ist ein guter Bäcker. Dann stellte sich aber heraus, dass er Elektriker war. Wie immer im Leben gab es auch hier Licht und Schatten: Jeden Samstag gab es warmen Leberkäse: Ein Gedicht. Das Rinderfilet dagegen war stets so zäh, dass es seinen Namen nicht verdiente, selbst einlegen half nix, also lautete die Alternative Tatar. Es gibt dort nur diese Buckelrinder, die laufen frei herum und fressen, was sie so finden. Da kann auch schon mal eine Plastiktüte dabei sein. Das Kasseler sah gut aus, aber den ersten Aufguss musste man weggiessen, so versalzen war das Ganze, angeblich wegen des Klimas. Auch beim Brot (eine Sorte, nicht so verwirrend wie heute beim Bäcker, wo ich immer einen roten Kopf bekomme) gab es öfters Backfehler, vor allem riesige Luftblasen zwischen Rinde und Krume.
Aber: Der Bäcker / Metzger war auch praktischer Lebensberater. Ein Kollege wollte im Winter in Urlaub fahren und seine kleine nigerianische Freundin setze ihm arg zu, dass sie mitfliegen will, hatte auch schon mal seinen Pass im Haus versteckt. Der Bäcker hörte davon. Er war auch Herrscher über die Kühlcontainer und arrangierte für die Freundin einen Test, ob sie denn überhaupt den Deutschen Winter aushalten kann. Sie musste sich in den Container (+ 5° C) setzen - nie wieder hat sie mit nach Deutschland gewollt. Ja, das war gemein und als Strafe sollte man den beiden Männern mal gönnen, in Nigeria Ehrengast zu sein - dem wird nämlich feierlich der Ziegenkopf vorgesetzt und alle Anwesenden wollen dann sehen, wie er wenigstens die Augen genüsslich verspeist.


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